Plattschnacker Lütt Paris

Die Segeberger Zeitung vom 29.01.2018 schreibt:  „Lütt Paris“

„Lütt Paris“

Kurzweilige Unterhaltung mit nachdenklichem Hintergrund

Kattendorf. Eine Boutique für Reizwäsche sorgt in der Komödie „Lütt Paris“ (von Heinrich Pantel) für Wirbel. Darin lassen die Plattschnacker des Theaterclubs die Power von Seniorinnen und zweifelhafte männliche Moral eindrucksvoll aufeinanderprallen.

„Dat is allens so sinnlos“, meint Martha (Margret Koch) nach dem Tod ihres Mannes, mit dem sie einen Dorfladen unterhalten hatte. Ihr Sohn, der Pastor (Stephan Ledderer), hat die Lösung: „Modder fehlt ne richtige Upgoov.“ Die findet die Mutter auch, allerdings ganz anders als gewünscht.

Die frühere Schneiderin wird an ihren Jugendtraum erinnert: ein eigenes Geschäft für Dessous. Freundin Lilly ermuntert sie, mit Damenunterwäsche neu durchzustarten. Susanne Krause füllt die Rolle ausdrucksstark und mit blendender Mimik aus. Bei der Anprobe zeigt sie sogar ein bisschen vom Verführerischen, was sich unter ihrem Morgenmantel verbirgt. Die Sittlichkeit bleibt in Kattendorf allerdings gewahrt.

Menschliche Schwäche zeigt der verheiratete Pastor, als er Susanne, der Tochter von Lilly (Nina Gerigk), nachstellt. Mit moralischer Stärke will er dagegen die Pläne der Mutter durchkreuzen. Einen energischen Fürsprecher findet der Geistliche im Bürgermeister. Sönke Meyer prophezeit erst: „Dat duat nich lang und de Lad’n is pleite.“ Bald folgt die Drohung: „Wi ward ju dat noch uttrieben.“ Intern kommt das Eingeständnis: „Dat kun wi nich gebruken vör de Wahl.“ Den Vater ins Altenheim abgeschoben und dort sogar der Mutter schon einen Platz besorgt zu haben, wird den Gästen der Aufführung deutlich mitgeteilt.

Den Spagat von männlichen Höhen zu ihren Tiefen bewältigen die Plattschnacker überzeugend und sympathisch zugleich. Brigitte Meyer, eine der regelmäßigen Besucherinnen im Kattendorfer Theaterclub, meinte dazu: „Mit dem Stück wird uns ein Spiegel vorgehalten. Das machen die Akteure auf der Bühne ganz toll.“

Stärke zu demonstrieren, bleibt den Schauspielerinnen überlassen. Sie machen sich ein paar Jahre älter, schlüpfen in die Rolle von Seniorinnen und zeigen, wie Damen im fortgeschrittenen Alter noch einmal kräftig durchstarten können. Hanna, die Mutter des Bürgermeisters (Helga Heins), gibt anfängliche Miederwaren-Skepsis auf und deutet sogar an, wie ihr die Reizwäsche stehen sollte. Letzten männlichen Widerstand kontern die Frauen, indem sie sich daran machen, über einen Onlineshop vom Dorf aus die Welt zu erobern. Das Publikum ist begeistert, als Martha nach einer Bestellung aus Indien jubelt.

In Anlehnung an den Film „Die Herbstzeitlosen“ zeigt die Komödie, wie eine in die Jahre gekommene Frau neuen Lebensmut nach dem Tod ihres Mannes findet. „Schenkelklopfer“ fehlen in dem Stück, kurzweilige Unterhaltung bietet es bei sympathisch-nachdenklichem Hintergrund allemal. Gunda Dittmar, deren Enkelin Nina Geringk auf der Bühne den Ansturm des Pastors erfolgreich abwehrt, lobte: „Alle spielen ihre Rollen ganz toll. Den meisten Schwung in das Stück bringt Lilly.“

Mit dem Stück wird uns ein Spiegel vorgehalten. Das machen die Akteure auf der Bühne ganz toll.
Brigitte Meyer,
Zuschauerin

„Lütt Paris“ zeigen die Plattschnacker bis zum 24. Februar. Die Vorstellungen sind nahezu ausverkauft.

Schönheit ist nicht alles – nur die Liebe zählt

twilight2017

(Segeberger Zeitung vom 07.11.2017)    Von Sylvana Lublow
Die Theatergruppe Twilight hat mit „Die Schöne und das Biest“ zum ersten Mal ein Märchen auf die Bühne gebracht
Märchenaufführung richtet sich eher an Erwachsene. 

Die Schöne (Saskia Serwotka) und das Biest (Karsten Harms) lernen sich kennen. © Foto Sylvana Lublow

Kattendorf. Mit Märchen hat sich der Kattendorfer Theaterclub ein für ihn ganz neues Genre auf die Bühne geholt. An die Gattung getraut hat sich die altersunabhängige Theatergruppe Twilight, die mit „Die Schöne und das Biest“ jetzt Premiere feierte. Rund 100 Besucher sahen zu.
Gerade in der Vorweihnachtszeit werden auf vielen Bühnen Märchen aufgeführt, die vor allem das junge Publikum ansprechen sollen. Doch die Kattendorfer Theaterleute hatten das nicht im Sinn. „In Märchen wird schonungslos das Gute und das Böse erzählt, wovon sich viele Erkenntnisse ableiten lassen. Werte spielen eine große Rolle, und so sind Märchen auch etwas für Erwachsene“, waren die einleitenden Worte von Horst Fritschi, Vorsitzender des Theaterclubs.
„Die Schöne und das Biest“ von Jeanne-Marie Leprince de Beaumont gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Märchen. Fast jeder kennt die Geschichte um die sanftmütige Laura und den Prinzen Rosario, der in eine hässliches Kreatur verwandelt wurde. Der Prinz, gespielt von Karsten Harms, liebt seine Rosen: „Die Rose ist die schönste Blume der Welt.“ Dass Schönheit vergänglich und er selbst oberflächlich ist, das weiß nur sein Hofgefolge. „Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“, kommentieren sie im Chor immer wieder. Als ein altes armes Weib den Prinzen um ein Stück Brot anbettelt, schmeißt er sie aus dem Schloss, weil sie hässlich ist und in Lumpen gekleidet. Die Konsequenz ist bekannt: Das Weib, eigentlich Hexe Nirgendwo (Cornelia Bettaque), verwandelt Rosario in ein Biest. Auch sein Hofstaat wird nicht verschont. Nur Hofnärrin Lebdifro (Vivien Behrmann) bleibt wie sie ist und macht sich auf die Suche nach einer schönen Frau, die den Prinz und das Schloss vom Fluch befreien könnte.
Natürlich, sonst wäre es kein Märchen, endet alles gut. Laura (Saskia Serwotka), Tochter des Uhrenmeisters (Juan José Cortes Alor), kommt ins Schloss, „erzieht“ das böse Biest, das sich in die junge Frau verliebt und seine Oberflächlichkeit abwirft. Irgendwann ist es dann auch um Laura geschehen: Sie liebt das Biest und bekommt einen Prinzen. Der Fluch ist gebrochen.
Zwei Stunden lang gaben die Amateurschauspieler alles, um das Publikum zu unterhalten und zu amüsieren. Vor allem die Nebenfiguren Lebdifro, Hofmalerin Pinselstrich (Nicole Dill), Hofgärtnerin Lassiwachs (Mona Müller) und Schatzmeister Geldknapp (Dietmar Ritter) erfüllten das Stück mit Leben und das Theater mit Lachen – und ließen die Hauptfiguren neben sich fast ein wenig blass aussehen. Hervorzuheben ist außerdem das sich drehende Bühnenbild von Bernd Ulrich und Jürgen Fock.
Weitere Aufführungen:
10., 1 1., 17., 24. und 25. November jeweils um 20 Uhr, am 18. November um 16 Uhr.

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